Ahlen/Nizza/Boston. Im Mittelpunkt des zweitägigen Kongresses in Nizza stand die Behandlung der sogenannten CMC-1-Arthrose. Diese Verschleißerkrankung des Daumensattelgelenks zählt zu den häufigsten Arthroseformen der Hand. Sie kann zu erheblichen Schmerzen sowie deutlichen Einschränkungen im Alltag führen.
Ziel einer Behandlung ist es, Schmerzen zu reduzieren und die Beweglichkeit des Daumens möglichst natürlich wieder herzustellen. Bei fortgeschrittener Erkrankung kann der Einsatz einer Daumensattelgelenksprothese eine wirksame Behandlungsoption sein. Das moderne Implantat basiert auf einem Konzept, das ursprünglich aus der Hüftendoprothetik stammt. „Patienten berichten nach der Operation, dass sich ihre Hand wieder erstaunlich natürlich anfühlt und sie in der Regel sämtliche Alltagsaktivitäten schmerzfrei ausführen können“, so Dr. Krohn.
Duale Beweglichkeit im Daumensattelgelenk
Das Daumensattelgelenk gehört zu den komplexesten Gelenken des menschlichen Körpers. Anders als ein Hüftgelenk verfügt es über eine besondere Sattelform, die große Beweglichkeit erlaubt, gleichzeitig aber hohe Anforderungen an ein Implantat stellt.
Beide Gelenke funktionieren grundlegend verschieden: In der Hüfte liegt ein annähernd kugelförmig endender Oberschenkel in einer „Pfanne“ im Beckenknochen. Beim Daumensattelgelenk liegen die beiden Knochenenden halbrund voreinander – eben annähernd wie ein Sattel auf einem Pferderücken. Während bei der Hüfte entsprechende Kugelgelenkprothesen schon lange gut funktionieren, waren frühere Prothesensysteme beim Daumensattelgelenk mit Instabilitäten und Luxationen verbunden: Die wirkenden Kräfte waren zu groß und konnten den Daumen geradezu aus dem Gelenk hebeln.
Die neue Generation der Implantate setzt deshalb auf ein sogenanntes Dual-Mobility-Konzept. Dabei sorgen zwei bewegliche Komponenten für eine deutlich höhere Stabilität und Beweglichkeit des Gelenks. Dadurch reduziert viele der bisherigen Herausforderungen und verbessert die Funktion des Daumens.
Mehr als 180 internationale Experten in Nizza
Die ersten Erfahrungen rund um die recht neue Behandlungsmethode wurden im Mai bei dem Symposium in Nizza intensiv besprochen. Mehr als 180 internationale Experten trafen sich mit Vertretern der Herstellerfirma. „Der Austausch mit führenden Handchirurgen aus der ganzen Welt von Südafrika, über Frankreich, die USA, die Schweiz, Italien, Polen bis nach Prag, war enorm bereichernd“, so Dr. Krohn. „Es war mir eine Ehre, selbst einen Vortrag halten und Teil der Faculty sein zu dürfen – also aktiv an der Ausbildung mitzuwirken.“
In wissenschaftlichen Sitzungen wurden klinische Fälle, operative Techniken, neue Implantatentwicklungen und auch mögliche Komplikationen und Probleme intensiv diskutiert. Ziel war es, praktische Erkenntnisse zu gewinnen, die unmittelbar in die tägliche Patientenversorgung einfließen können.
Monopolstellung in den USA
Besonderes Interesse gilt der Prothese derzeit in den USA. „Ende letzten Jahres ist die neue Prothese erst auf den amerikanischen Markt gekommen. Sie ist als erste und einzige Prothese für das Daumensattelgelenk von der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA zugelassen“, so Dr. Krohn. „Deshalb haben die amerikanischen Spezialisten jetzt extrem hohes Interesse – sie haben bisher null Tuchfühlung mit dieser Art Prothese, zeigen aber eine extrem steile Lernkurve.“
Dr. Krohn kann aus etwa 20 Jahren Erfahrung mit Hand- und Gelenkprothesen aller Art schöpfen. Er wird deshalb immer wieder zu Operationssessions in Frankreich oder in der Schweiz eingeladen. Zu denen fliegen auch US-amerikanische Chirurgen über den Atlantik, um sich dort praktisch ausbilden zu lassen. Sie wiederum schulen später in den USA andere Chirurgen zu ihren gewonnenen Erfahrungen.
Internationale Vernetzung zum Wohl des Patienten
Seine neuen Erkenntnisse bringt Dr. Krohn wieder zurück in das St. Franziskus-Hospital. Seit 2021 ist das Ahlener Krankenhaus als Referenzklinik gemeldet. Regelmäßig besuchen Gastärzte das Krankenhaus, um sich fortzubilden. Darüber hinaus engagiert sich Dr. Krohn als Referent und Ausbilder bei Operationskursen und universitären Veranstaltungen. Ein weiteres Highlight erwartet ihn im September: Dann wird er zum größten handchirurgischen Kongress der USA reisen. In Boston wird er OP-Kurse geben und Techniken an Leichenhänden demonstrieren. Außerdem wird Dr. Krohn auf dem 1st AMERICAN USER MEETING einen Vortrag halten dürfen, über Tipps und Tricks bei der radiologischen Kontrolle. „Der internationale Austausch hilft uns, neue Erkenntnisse frühzeitig in die Praxis zu übertragen. Wir bleiben am Puls der Zeit und sind weltweit vernetzt. Unser Ziel ist es, unseren Patienten jederzeit eine Behandlung auf höchstem Niveau anzubieten“, betont Dr. Krohn.



