Anfang Januar 2025 wurde dann bei einer Krebsvorsorgeuntersuchung bei meinem Gynäkologen eine Zyste entdeckt. Nach drei Monaten war sie immer noch da, und auch nach weiteren drei Monaten hatte sich nichts verändert. Ich wollte die Zyste entfernen lassen und habe mich ins St. Franziskus-Hospital Ahlen überweisen lassen. Bei der Operation wurde dann nicht nur die Zyste entfernt, sondern auch Endometriose entdeckt.
Die Operation dauerte über 2 Stunden. Es wurde so viel wie möglich an befallenen Stellen entfernt, aber es war nicht möglich, alles zu beseitigen. Mein Becken war voll mit Endometrioseherden, die entfernt werden mussten, um überhaupt an die Zyste heranzukommen. Nach der OP begann ich eine Hormontherapie, aber meine Beschwerden wurden schlimmer. Ich habe die Tabletten nicht vertragen, war ständig müde und hatte das Gefühl, neben mir zu stehen.
Hormontherapie bei Endometriose – meine Erfahrung mit Tabletten
Nach der ersten Operation wurde mir eine Hormontherapie empfohlen, wie sie bei Endometriose häufig eingesetzt wird. Ziel dieser Therapie ist es, das Wachstum der Endometrioseherde zu stoppen und die Schmerzen zu lindern. Zu den Standardmedikamenten gehören:
- Gestagen-Tabletten: Sie unterdrücken den Eisprung und die Regelblutung, wodurch die Endometrioseherde weniger „Nahrung“ bekommen.
- Kombinierte Antibabypille: Sie wird oft durchgehend eingenommen, um die Periode zu unterdrücken.
- GnRH-Analoga: Sie führen zu einem künstlichen Hormonentzug, ähnlich wie in den Wechseljahren.
Ich habe Gestagen-Tabletten bekommen, aber ich habe sie nicht vertragen. Die Nebenwirkungen waren für mich sehr belastend: Ich war ständig müde, hatte Stimmungsschwankungen und das Gefühl, neben mir zu stehen. Auch andere Frauen berichten von Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Gewichtszunahme, Hitzewallungen oder Libidoverlust. Für mich war klar: Ich möchte nicht dauerhaft auf Medikamente angewiesen sein.
Endometriose-Sprechstunde und weitere Diagnostik
Deshalb habe ich einen Termin in der Endometriose-Sprechstunde bei Chefarzt Dr. Rüdiger Langenberg am St. Franziskus-Hospital Ahlen gemacht. In dieser spezialisierten Sprechstunde werden Patientinnen individuell beraten und begleitet. Nach dem Erstgespräch erfolgten die typischen Untersuchungen bei Endometriose durch Oberarzt Dr. Mohamed Anwar: Dazu gehören ein ausführliches Anamnesegespräch, eine gynäkologische Tastuntersuchung, ein transvaginaler Ultraschall sowie – je nach Befund – weitere bildgebende Verfahren wie eine MRT-Untersuchung.
Nach Auswertung aller Befunde wurde mir von Dr. Anwar eine erneute Operation angeraten und gemeinsam mit mir geplant, da mein ganzer Bauchraum wieder betroffen war. Die Gebärmutterschleimhaut hatte sich im ganzen Körper verteilt. Nach der Geburt meines Sohnes hatte alles angefangen. Und das ist jetzt 14 Jahre her.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Allgemein- und Viszeralchirurgie
Da bei mir auch der Darm stark von der Endometriose betroffen war, wurde die Operation in enger Zusammenarbeit mit der Allgemein- und Viszeralchirurgie unter Leitung von Chefarzt Dr. Frank Klammer durchgeführt. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ist besonders wichtig, wenn Endometrioseherde den Darm, das Bauchfell oder andere Organe befallen. Dr. Klammer hat mich ausführlich über die Möglichkeiten und Risiken aufgeklärt, insbesondere über die Option eines künstlichen Darmausgangs, falls dies während der Operation notwendig werden sollte. Das hat mir Sicherheit gegeben und mir geholfen, mich gut vorbereitet zu fühlen. Natürlich habe ich gebetet, keinen Darmausgang zu bekommen.
Im Mai wurde ich dann erneut operiert – dieses Mal dauerte die Operation sechs Stunden. Es war für mich schwer zu ertragen, dass etwas in meinem Körper ist, das mich krank macht. Ich hatte große Angst vor einem künstlichen Darmausgang, weil ich wusste, dass viel Darm betroffen war. Dr. Langenberg und Dr. Klammer haben mir aber Mut gemacht und alle meine Fragen beantwortet.
Nach der Operation wurde ich zur Überwachung auf die Intensivstation gebracht – das ist eine Routine bei so großen Eingriffen. Meine erste Frage nach dem Aufwachen war: „Hängt da irgendwo ein Beutel an mir?“ – zum Glück konnte man mir sofort Entwarnung geben. Ich habe dann einfach weitergeschlafen.
Die nächste Periode nach der Operation fühlte sich zum ersten Mal in meinem Leben normal an. Es waren zwar noch Schmerzen da, aber sie waren auszuhalten – so, wie es bei anderen Frauen auch ist. Ich möchte jetzt nach der Endometriose-Sanierung ohne Medikamente weiterleben. Das bedeutet, dass bei der Operation alle sichtbaren Endometrioseherde entfernt wurden und ich keine Hormontherapie mehr machen muss. Jetzt wünsche ich mir, schwanger zu werden.
Ich möchte mit meiner Erfahrung anderen Frauen Mut zu machen. Ich fühle mich heute gut – fast wie neugeboren. Ich möchte allen Betroffenen sagen: Gebt nicht auf, holt euch Hilfe und lasst euch nicht einreden, dass starke Schmerzen während der Periode normal sind. Es gibt Wege, wieder Lebensqualität zu gewinnen!



