Knapp 50 Teilnehmer waren im Krankenhaus dabei, noch einmal rund halb so viele waren online zugeschaltet – Dr. med. Frank Klammer zeigte sich mehr als erfreut über die große Resonanz des medizinischen Personals, aus der Pflege ebenso wie aus der Ärzteschaft. Als Chefarzt der Klinik für Visceralchirurgie des St. Franziskus-Hospitals in Ahlen hatte Dr. Klammer zu der regionalen Fortbildungsveranstaltung eingeladen. Sein Ziel: neue wissenschaftliche Erkenntnisse rund um die wichtige präoperative Vorbereitung von Patientinnen und Patienten vermitteln. Vor allem bei Operationen im Bereich des Dickdarms und Enddarms wirkt sich die Ernährung vor der Operation deutlich auf die Heilungschancen aus – ganz gleich, ob sie gut- oder bösartig erkrankt sind.
„Das Ziel einer jeden Operation ist ein problemloser, komplikationsfreier Betreuungsverlauf“, so Dr. Klammer. Dafür müssen drei wichtige Fragen beantwortet werden. Erstens: Ist die Operation wirklich notwendig? Zweitens: Ist das Risiko durch Begleiterkrankungen der Betroffenen abschätzbar? Und drittens: ist die Patientin oder der Patient überhaupt operationsfähig? Diese Fragen werden im sogenannten „Screening“ beantwortet, durch eine ganze Reihe von gründlichen Voruntersuchungen. Im Mittelpunkt stand bei der Veranstaltung aber ein anderer Aspekt der Vorbereitung, der in vielen Fällen massiv unterschätzt: die Bedeutung eines individuell angepassten präoperativen Ernährungskonzepts. Deshalb leitete Dr. Klammer die Veranstaltung in Kooperation mit Frau Kerstin Dobberstein, Diplom-Ernährungswissenschaftlerin und Diätassistentin.
„Jedem leuchtet ein, dass er vor einer Operation beispielsweise am Knie darauf achten muss, wie er sein Bein belastet. Aber nur wenige stellen ihre Ernährung um, wenn in einigen Wochen eine Darmoperation ansteht.“, sagt Dr. Klammer. Hinzu kommen vor allem bei älteren Menschen häufiger Fälle, in denen sogar Mangel- oder Fehlernährung festgestellt wird. Dr. Klammer sieht dabei auch den demographischen Wandel in Deutschland. „Wir müssen derzeit davon ausgehen, dass der Anteil hochbetagter Betroffener, also an Menschen jenseits des 85. Lebensjahres, jedes Jahr ansteigt“, so Dr. Klammer. Bis zum Jahr 2050 werden gut 10 Millionen Menschen in Deutschland so alt sein. Bis zum Jahr 2060 wird zudem ein gutes Drittel der deutschen Bevölkerung älter als 65 sein. Männer in diesem Alter haben derzeit eine Lebenserwartung von noch 23 Jahren, Frauen sogar über 26 Jahre.
Auch Menschen im hohen Alter haben Anspruch auf eine adäquate medizinische Versorgung – und das beinhaltet auch eine optimale Vorbereitung auf die Operation. Menschen über 80 Jahre sind laut einer 2019 erhobenen Statistik bundesweit im Rahmen einer operativen Versorgung in 6% der Fälle verstorben. „Diese Zahl war schon damals im St. Franziskus-Hospital deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Inzwischen ist sie weiter gesunken und wir arbeiten jetzt daran, sie noch weiter zu senken.“, zeigt sich Dr. Klammer durchaus stolz. Er sieht die Ernährung vor der geplanten operativen Therapie dabei als besonders beeinflussbaren Faktor. „Wir haben gelernt, das Alter mit in das gesamte therapeutische Konzept einzubinden“, sagt er. Neuere Studien bestätigen, dass solche Maßnahmen sowohl die Komplikationsrate nach der Operation als auch schwerwiegende Komplikationen mit tödlichem Verlauf deutlich einschränken können. Außerdem kann die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten schon vor der Operation deutlich verbessert werden.
Das Konzept trägt den Namen „multimodale Prähabilitation“. Etabliert wurde es in der Klinik für Visceralchirurgie des St.-Franziskus Hospitals in Ahlen schon vor zehn Jahren. Um die Kolleginnen und Kollegen im Haus und auch die Öffentlichkeit gut zu informieren, ist im St. Franziskus-Hospital eine Vortragsreihe über 12 Veranstaltungen konzipiert worden. Diese Fortbildungsveranstaltung [gestern/am 28. Januar 2026] war die erste dieser Reihe. Die weiteren elf Fortbildungsveranstaltungen zum umfangreichen Thema „präoperative Versorgung“ folgen, jeweils eine pro Monat.
Nach der ersten Veranstaltung zieht Dr. Klammer eine positive Bilanz. Nicht nur die hervorragende Resonanz freut ihn. Die Präsentation ist auch ein weiterer Schritt dahin, am St. Franziskus-Hospital in Ahlen ein visceralmedizinisches Versorgungszentrum zu etablieren. Es soll vor allem älteren Patientinnen und Patienten helfen, ihre Gesundheit schon vor einer Operation zu verbessern und sich danach besser zu erholen.



