Dienstag, 14.07.2026

Fach- und Hausärzte der Region zertifiziert für Lungenkrebsscreening

Seit dem 1. April 2026 haben Menschen mit erhöhtem Risiko für eine Lungenkrebserkrankung das Recht auf eine neue Früherkennungsuntersuchung: ein strukturiertes Lungenkrebsscreening mittels Niedrigdosis-Computertomographie (LDCT).

Das neue Angebot richtet sich an langjährige und auch ehemalige starke  Raucherinnen und Raucher. Es  wird von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Ziel ist es, Tumoren möglichst früh zu erkennen – also in einem Stadium, in dem die Behandlungschancen deutlich besser sind. 57.000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich neu an Lungenkrebs. Das Screening soll die Sterberate um 20-25% senken.

Voraussetzung für die Teilnahme an der Früherkennung ist die Überweisung durch einen besonders zertifizierten Hausarzt, Internisten oder Arbeitsmediziner. In der vergangenen Woche haben sich Ärztinnen und Ärzte aus Ahlen und dem Kreis Warendorf durch das St. Franziskus-Hospital Ahlen und die die Radiologie des MVZ Prof. Dr. Uhlenbrock und Partner zertifizieren lassen. Sie sind jetzt berechtigt, langjährige Raucherinnen und Raucher über das Screening aufzuklären, die Voraussetzungen zu erfassen und sie zum Screening zu überweisen.

Wer kann am Lungenkrebsscreening teilnehmen?

Zugelassen sind Raucherinnen und Raucher im Alter von 50 – 75 Jahren, die mindestens 25 Jahre lang geraucht haben und dabei auf eine Gesamtmenge von 15 Packungsjahren oder mehr kommen. „Wer ein Jahr lang täglich eine Packung Zigaretten geraucht hat, kommt auf ein Packungsjahr, ebenso jemand, der zwei Jahre lang täglich eine halbe Packung geraucht hat“, erläutert Dr. Norbert Wolfgang Müller, Chefarzt der Inneren Medizin im St. Franziskus-Hospital Ahlen. Wer das Rauchen inzwischen aufgehört hat, ist ebenso teilnahmeberechtigt, sofern der Rauchverzicht noch nicht länger als zehn Jahre her ist. Außerdem darf bislang keine Lungenkrebserkrankung festgestellt worden sein. „Der Grund für diese Beschränkungen ist, dass nach der wissenschaftlichen Studienlage Menschen mit diesen Voraussetzungen den größten Nutzen von der Früherkennung haben“, sagt Dr. Norbert Grammann, Praxis für Lungen- und Bronchialheilkunde, Hamm.

So läuft das Lungenkrebsscreening ab

Vor der Teilnahme findet zunächst ein ärztliches Beratungsgespräch statt. Dabei wird geprüft, ob die persönlichen Voraussetzungen für das Screening erfüllt sind. Besprochen werden unter anderem die Rauchvorgeschichte, das individuelle Risiko sowie Nutzen und mögliche Grenzen der Untersuchung. Wichtig ist: Das Screening richtet sich an beschwerdefreie Personen mit erhöhtem Risiko. Wer bereits Symptome hat, sollte diese unabhängig davon ärztlich abklären lassen.

Die eigentliche Untersuchung erfolgt mit einer Niedrigdosis-CT der Lunge. Dabei werden detaillierte Bilder des Brustkorbs angefertigt : „Der Gesetzgeber hat hohe Anforderungen an die Gerätequalität gestellt. Wir verwenden ein neuartiges Gerät, das nur sehr wenig der Strahlung über einen sehr kurzen Zeitraum benötigt – weniger als 10 Sekunden“ sagt Prof. Dr. Detlev Uhlenbrock.  Kontrastmittel wird dabei nicht benötigt, und bei der Erstellung und Auswertung hilft künstliche Intelligenz. „Im Anschluss werden die Aufnahmen durch qualifizierte Fachärztinnen und Fachärzte ausgewertet. Ist der Befund unauffällig, können weitere Untersuchungen im jährlichen Abstand erfolgen.“ Werden Auffälligkeiten festgestellt, folgen gezielte weitere Untersuchungen, um den Befund sicher einzuordnen. „Eine Auffälligkeit bei dieser Untersuchung ist keine Krebsdiagnose, sondern der Hinweis, nochmal näher hinsehen zu müssen“, so Dr. Müller.

Wie kommt man an das Screening?

Ansprechpartner sind die Hausarztpraxen, Internisten und Arbeitsmediziner. „Wir führen weitere Zertifizierungen durch und haben eine Warteliste“, sagt Dr. Müller. Interessierte Ärzte können sich unter lungenkrebs(at)sfh-ahlen.de aufnehmen lassen. Die Fortbildung findet hybrid oder online statt.