Ralf Thaele aus Hamm ist leidenschaftlicher Radfahrer, und am liebsten fährt er gemeinsam mit seiner Frau. Mit ihr hat er in zwei Jahren über 7.000 Kilometer zurückgelegt. „Mit dem Auto waren es in der gleichen Zeit 2.000.“, sagt er nicht ohne Stolz. Probleme mit seiner Lunge hat er in all den Jahren nie gehabt, obwohl er 55 Jahre geraucht hat. Schwierigkeiten hatte er allerdings mit den Knien. „Das tat jämmerlich weh. Als ich dann kaum noch von der Couch hochkam, bin ich zum Hausarzt, und der hat mich an einen Rheumatologen überwiesen, weil er dachte, es könnte Weichteilrheuma sein.“ Der Rheumatologe wiederum schickte Ralf Thaele zum Röntgen, weil eine Rheumaerkrankung oft mit Veränderungen in der Lunge einher geht. Hier wurde ein größerer Tumor im linken oberen Bereich der Lunge gefunden.
Ein Zufallsfund, der Leben retten kann
„Das Ergebnis war ein Zufallsbefund – ein verdächtiger Herd im linken Oberlappen.“, erklärt Su-Sin Kim, der Chefarzt der Thoraxchirurgie am Ahlener St. Franziskus-Hospital. Untersuchungen in zwei anderen Krankenhäusern brachten kein eindeutiges Ergebnis. Im Ahlener Krankenhaus entschied man sich deshalb zur direkten Operation. „Ich war bei meinem ersten Gespräch bei Herrn Kim, und der sagte: Raus damit“, erinnert sich Ralf Thaele. Das war an einem Mittwoch, und am Montag darauf wurde operiert. „Herr Kim hat gesagt, ich kann noch die Fußball-WM gucken oder gleich herkommen“, schmunzelt Thaele. „Ich habe gesagt: Weg damit.“
Entfernt werden muss ein Tumor dieser Größe ohnehin. „Mit einer Operation wollten wir gleichzeitig den Tumor entfernen und die Diagnose absichern“, so Su-Sin Kim. „Das ist häufiger so, und das werden wir im Rahmen unseres Lungenkrebsscreening auch noch häufiger erleben. Wenn ein Herd in der Lunge gefunden wird, von dem wir noch nicht sicher wissen, was es ist, dann wird während einer Operation ein Schnellschnitt durchgeführt. Das entnommene Gewebe wird dann noch während der Operation untersucht, und wenn ein bösartiger Tumor nachgewiesen wird, kann man ihn direkt fachgerecht entfernen.“
„So groß wie eine Mandarine.“
Bei Ralf Thaele stellt sich genau das als richtig heraus: der bösartige Tumor war schon ziemlich groß geworden. „Knapp fünf Zentimeter groß war das Karzinom – das ist schon recht groß, und damit war die Wahrscheinlichkeit eines bösartigen Tumors sehr hoch. Häufig werden kleinere Tumore schon bei etwa ein Zentimeter Durchmesser entdeckt.“, sagt Su-Sin Kim. Dass Ernst Thaele trotz dieser Größe keinerlei Beschwerden hatte, ist laut Kim nicht ungewöhnlich. „Lungenkrebs selbst macht häufig keine Beschwerden. Das passiert oft erst im fortgeschrittenen Stadium, wenn der Tumor Blutgefäße oder Bronchien einengt, oder wenn er schon gestreut hat und Metastasen in anderen Organen Probleme machen.“
Es war kein einfacher Eingriff, und aus den prognostizierten zwei Stunden wurden dann viereinhalb Stunden Operationsdauer. „Während der Operation hat sich herausgestellt, dass die Lymphknoten vergrößert waren. Das passiert schon mal, und dann dauern die Vorbereitungen etwas länger, weil man keine Gefäße verletzen will. Aber wir konnten wie geplant minimalinvasiv operieren, und ob ein Eingriff dann zwei oder vier Stunden dauert – das ist am Ende egal.“ Der minimalinvasive Eingriff hat für den Patienten Vorteile – auch hier für Ralf Thaele. „Er war sehr früh mobil und auch schmerzfrei“, sagt Kim, und die Freude darüber ist ihm anzumerken.
Gute Betreuung und schnelle Genesung
Fünf Tage nach der Operation sitzt Ralf Thaele auf dem Bett und kann sich fast normal unterhalten – ihm ist kaum anzumerken, dass er ein gutes Fünftel seines Lungenvolumens verloren hat. Immer wieder unternimmt er vorsichtige Spaziergänge auf dem Krankenhausflur. „Ich war nur eine Nacht auf der Intensivstation, das war sehr gut. Im Allgemeinen bin ich sehr zufrieden. Hier wird man gut betreut. Aber die Schmerzen habe ich mir nicht so schlimm vorgestellt, und gestern blieb mir mal die Luft weg. Überanstrengen darf man sich nicht. Aber Herr Kim sagt, das kommt alles wieder. Man kann zwar kein Marathon mehr laufen, aber Fahrradfahren und Spaziergehen.“ Hier schüttelt Kim lächelnd den Kopf. „Wenn er weiter trainiert, kann er auch einen Halbmarathon laufen. Prinzipiell besteht die Möglichkeit, diese kurzfristig entstandene Luftnot durch das verlorene Lungenvolumen nach der Operation auch wieder aufzutrainieren.“
Am siebten Tag nach der Operation wird Ralf Thaele entlassen, er kann nach Hause gehen. Alles spricht schnell für ein frühes Tumorstadium. Einige Tage später befassen sich die Ärzte in der regelmäßigen Tumorkonferenz noch einmal mit seinem Fall. Sie empfehlen eine sogenannte adjuvante Systemtherapie, das heißt zusätzlich entweder eine Chemotherapie und/oder eine medikamentöse Immun- oder Antikörpertherapie. Das wird ein Onkologe entscheiden, bei dem Ralf Thaele jetzt einen Termin hat. Insgesamt ist der behandelnde Thoraxchirurg sehr zufrieden. „Lungenkrebs ist eine der aggressivsten Tumore, die wir kennen“, sagt Su-Sin Kim „wenn er aber in einem Frühstadium entdeckt wird, dann haben wir die Möglichkeit, über eine Maßnahme wie hier auch eine Heilung zu erzielen.“
Lungenkrebsscreening für starke Raucherinnen und Raucher
Deshalb gibt es am St. Franziskus-Hospital in Ahlen das neue Angebot des Lungenkrebsscreenings. Es richtet sich vor allem an langjährige (auch ehemalige) starke Raucherinnen und Raucher. Von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt soll es die Sterberate bei den Lungenkrebserkrankungen um 20 bis 25 % senken. Voraussetzung für ein Screening ist die Überweisung durch einen besonders zertifizierten Hausarzt, Internisten oder Arbeitsmediziner. Dafür werden seit einigen Wochen Ärztinnen und Ärzte aus Ahlen und dem Kreis Warendorf durch das St. Franziskus-Hospital Ahlen und die Radiologie des MVZ Prof. Dr. Uhlenbrock und Partner zertifiziert. Wichtig ist: Das Screening richtet sich an beschwerdefreie Menschen mit erhöhtem Risiko – so, wie Ralf Thaele einer war.
Ihm geht es einige Wochen nach der Operation schon deutlich besser. „Ein bißchen Probleme habe ich, aber das ist normal“, sagt er. „Erstaunlich, dass es einem nach so einem Eingriff nach so kurzer Zeit schon wieder so gut geht.“ Er ist zufrieden. Als nächstes steht der Termin beim Onkologen Ende des Monats an, und der Sozialdienst kümmert sich derzeit darum, dass ein Rehaplatz für ihn gefunden wird.
Für die Zukunft ist Ralf Thaele optimistisch. Das war er schon immer, sagt er. „Man kann es ja eh nicht beeinflussen. Man kann nur sein Leben ein bisschen umkrempeln.“ Und ein bisschen Radfahren dürfte auch nicht schaden.



