Die gute Nachricht erreichte Dr. Carsten Krüger kurz vor seiner Abreise nach Malawi in Afrika. An der Universität Witten/Herdecke hat er eine außerplanmäßige Professur erhalten. Der Chefarzt der Kinderklinik am Ahlener St. Franziskus-Hospital hat seine Ernennungsurkunde nach seiner Rückkehr im Rahmen seiner Antrittsvorlesung in Empfang genommen.
Der Seminarraum an der Universität in Witten im Ennepe-Ruhr-Kreis war bis zum letzten Platz vollbesetzt. Neben den Studierenden waren auch Familienangehörige des frischgebackenen außerplanmäßigen Professors zu seiner Antrittsvorlesung gekommen, und auch Kollegen und Mitarbeiterinnen aus dem Ahlener Krankenhaus hatten es sich nicht nehmen lassen, dabei zu sein. Thema seiner Antrittsvorlesung: „Neugeborenengesundheit weltweit – Entwicklungen und Perspektiven“. Seine Ernennungsurkunde überreichte ihm nach dem Vortrag schließlich der Lehrstuhlinhaber für Pädiatrie an der Universität, Prof. Dr. Michael Paulussen.
An der Uni Witten/Herdecke hat Dr. Carsten Krüger u.a. als Privatdozent schon seit über zehn Jahren gelehrt, jetzt wird er das als außerplanmäßiger Professor tun. Der Titel wurde als Anerkennung für seine Lehr- und wissenschaftlichen Leistungen verliehen.
Lehre als Verpflichtung
Ein Dienst- oder Arbeitsverhältnis als Professor begründet die Ernennung aber nicht. Ein außerplanmäßiger Professor hat häufig keine etatmäßige Stelle an der Hochschule inne. Allerdings ist er zur sogenannten Titellehre verpflichtet. Außerplanmäßige Professorinnen und Professoren müssen regelmäßig Lehrveranstaltungen von zwei Semesterwochenstunden durchführen – ohne Vergütung, sonst wird der Titel wieder aberkannt. Seine zwei Semesterwochenstunden legt Prof. Dr. Krüger als Blöcke auf einzelne Tage: So kann er seine Lehrtätigkeit mit seiner Verpflichtung im Ahlener Krankenhaus vereinbaren.
Langjähriges Engagement für Kinder weltweit
In seiner Antrittsvorlesung berichtet referierte Prof. Dr. Krüger über die Gesundheit von Neugeborenen weltweit: Ein Thema, verbunden mit großer Dramatik und viel Leid. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts gab es weltweit etwa 3,7 Millionen Todesfälle bei Neugeborenen – mehr als 96 Prozent davon in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen. Die gleiche Quote zeigte sich auch bei der Müttersterblichkeit. Etwa 529.000 mütterliche Todesfälle gab es jährlich, etwa die Hälfte davon bei der Geburt.
Damals wurde angenommen, es seien kostenintensive technische Innovationen erforderlich, um diese katastrophalen Zahlen zu verbessern. Inkubatoren, Beatmungs- und Infusionsgeräte sowie moderne Medikamente wurden für notwendig gehalten. Hinzu kam ein Mangel an qualifiziertem Personal und an geeigneten Gesundheitseinrichtungen. Hilfe wurde insgesamt als zu teuer und zudem nicht anwendbar angesehen.
Forschung zeigt: schon einfache Hilfe ist hochwirksam
Doch dann begann das Umdenken: Feldforschungen in Indien brachten bahnbrechende Erkenntnisse, die bisherige Annahmen widerlegten. Bereits grundlegend geschultes Assistenzpersonal und seit langem bekannte, etablierte Behandlungsmethoden konnten die Sterblichkeit deutlich senken. Die geschulten Helferinnen und Helfer konnten auch viele der riskanten Hausgeburten erreichen und die Maßnahmen dort umsetzen.
Zu den kostengünstigen, einfachen Mitteln zählen etwa enge Körperbindung an die Mutter zum Schutz vor Auskühlung oder Stillen ab dem Tag der Geburt. Ebenfalls wurden einfache Beatmungsmethoden sowie grundlegende Hygienemaßnahmen rund um Geburt und Nabelschnurversorgung umgesetzt. Hinzu kommen Impfungen z. B. gegen Tetanus oder der Einsatz von Antibiotika gegen neonatale Sepsis. Die Sterblichkeit unter Neugeborenen konnte in den Versuchsgebieten fast um die Hälfte reduziert werden, und auch die Zahl der Todesfälle unter den Müttern sank deutlich.
Die Forschung rund um die Sterblichkeit von Neugeborenen und ihrer Mütter hat Prof. Dr. Krüger in Afrika fortgeführt, und die Ergebnisse auch gleich umgesetzt, um die Situation dort zu verbessern. Die Kinder- und Müttersterblichkeit ist hier weiterhin hoch, auch wenn es mit den einfachen und bewährten Maßnahmen gelungen ist, sie zu senken. „Teils sind die Impfquoten dort besser als bei uns in Deutschland“, sagt Prof. Dr. Krüger. Krankheiten sind reale und tödliche Gefahren. „Jede Familie dort kennt tote Kinder.“
Forschung und Engagement in Afrika zugleich
Prof. Dr. Krüger wirkt an Vorhaben zur Verbesserung der Kindergesundheit mit, hilft bei Projekten zur Schulung von örtlichen Medizinern und engagiert sich politisch oder in der Spendenakquise. Jeweils einmal im Jahr fährt er nach Malawi und nach Tansania, schult dort Mediziner oder ermöglicht Kinderärztinnen und -ärzten von dort Hospitationen hier in Deutschland. Pragmatisch gibt er zu Protokoll: „Wenn sich keiner engagiert, dann wird auch nichts geschehen“, sagt er.
Nach seiner Antrittsvorlesung zeigt er sich bewegt, auch angesichts der vielen Gäste. „Ich bin sehr dankbar dafür, dass es über die Jahre gelungen ist, eine gute Arbeit im Bereich der globalen Kindergesundheit zu machen. Ich freue mich, dass heute so viele Weggefährten und Förderer gekommen sind – und natürlich auch meine Familie, so dass wir alle zusammen dieses Ereignis feiern können. Es zeigt, dass die Arbeit doch Früchte getragen hat und dass es für die Kinder schrittweise Verbesserungen gegeben hat.“



